In den letzten Monaten war ich etwas schreibfaul. Aber es gab auch nicht viel Bedeutendes zu berichten: Teilnahmen am "Postlauf" (10km in knapp unter 47 Minuten), am Halbmarathon in Trier (mit katastrophalem Einbruch und einer Endzeit von 2 Stunden und 10 Minuten) und der Teilnahme am Ourdall-Duathlon (der in jeder Hinsicht schief ging). Es gibt keine Wunder: Examensbedingt wenige Laufkilometerim Frühjahr haben zur Folge dass die Form derzeit etwas zu wünschen übrig läßt. Da ich trotz allem das Schwimmen seit Jahresbeginn trainiert habe, wollte ich trotzdem nicht von meinem Vorhaben ablassen, dieses Jahr endlich meinen ersten Triathlon zu absolvieren.
Die Triathlon-Veranstaltung in Weiswampach stellte dieses Jahr in Luxemburg die letzte wahrzunehmende Gelegenheit dar. Da ich mir derzeit noch keine 1,5 km Schwimmen im Wettkampftempo zutraue, fiel meine Wahl auf eine Teilnahme an der "Promo-Distanz" (die Hälfte der olympischen Distanz): 750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 Kilometer Laufen.
Um am Morgen des Rennens nicht unnötig in Stress zu kommen, hatte ich bereits am Vorabend das ganze Material ins Auto gepackt. Um acht Uhr in der Früh noch einen Teller kalte Spaghetti zu verdrücken war zwar nicht appetitlich, sollte mich aber zuverlässig vor einem Hungerast schützen.
Die Wettkampfstätte liegt im nördlichsten Zipfel von Luxemburg. Den See in Weiswampach hatte ich noch nie zuvor gesehen. Beim Abholen der Startunterlagen (Nummer 97) im Start-/Zielbereich fiel mir der Aushang über die Wassertemperatur auf: 17,5 Grad Celsius. Was soll's, die Königsdisziplin heißt ja wohl nicht umsonst Ironman, dachte ich mir, Augen zu und durch. Gemütlich ging ich zum Auto zurück um Fahrrad und Ausrüstung zusammen zu stellen für das Einchecken in der Wechselzone.
Da ich keinen schwimmtauglichen Neopren-Anzug besitze, musste ich wohl oder übel in der Badehose antreten. Immerhin hatte ich mir ein Muskelaufwärmspray besorgt. Die ersten ca. 75 Meter des Tages schwamm ich vom Landesteg bis zum Uferteil, an dem der Startschuss erfolgen sollte. Höchstens fünf Prozent der Teilnehmer hatten
keinen Neopren-Anzug an. Am Start traf ich dann auch auf meine Fahhradkumpels Yves Rauen und Christian Theis. Nach endlosen Warteminuten die mit nervösem Gerede und Rumgealbere überbrückt wurden, kam dann der Startschuss. Es ging los auf die Schwimmrunde rund um den See. Die Boje in der Ferne fest im Visier schwamm ich ohne Druck los. Um keine versehentlichen Schläge oder Tritte der anderen Teilnehmer einstecken zu müssen, schwamm ich bewusst hinten rechts vom Felde: die Boje auf der anderen Seite des Sees war nämlich nach links zu umschwimmen, auf diese Weise blieb ich vom Gedränge verschont und wurde auch nicht brutal überholt. Und Platz genug um meinen Brustschwimmstil zu entfalten blieb auch. Kraulschwimmen muss ich erst noch lernen!

Das Foto zeigt die Teilnehmer der Olympischen Distanz kurz vor dem Start.
Beim mentalen Durchgehen der kommenden Wechsel, traf mich kurz vor der Wende an der Boje der Schlag: In der ganzen Aufregung vor dem Start, hatte ich die Laufschuhe glatt im Auto liegen lassen! Da ich sowieso weiterschwimmen musste, regte es mich nicht all zu sehr auf. Plan B war mit meinen normalen Schuhen zu laufen, die sich noch vom Umziehen in der Wechselzone befanden. Es gab aber auch noch Plan C ... Jedenfalls kann ich nur jedem schusseligen Duathleten oder Triathleten empfehlen sich einer persönliche Checkliste zu erstellen und immer bei der Teilnahme an Veranstaltungen durch zu gehen!
Nach endlosen Minuten und
mit nur noch einer Handvoll Verfolgern (d.h.
als fast Letzter) näherte ich mich schließlich dem Landesteg, und eine helfende Hand zog mich aus dem Wasser um mir den Ausstieg zu erleichtern. Komischer Effekt: Durch den plötzlich wegfallenden Wasserwiderstand, sprang ich die ersten Schritte wie eine losgelassene Feder über die Matten Richtung Wechselzone. Badehose runter, einteiliger Triathlonanzug und Radschuhe an, und weiter ging es im Laufschritt mit dem Rennrad in der Hand Richtung Ausgang der Wechselzone. An dieser Stelle kann ich jedem angehenden Triathleten nur den Tipp geben es besser zu machen als ich, und sich
vor dem Start ausgiebig mit der Strecke - auch
innerhalb der Wechselzone - auseinander zu setzen. Ich lief nämlich erst einmal einige Meter in die falsche Richtung, und musste dann auf Anweisung eines Offiziellen wenden: kostbar verlorene Zeit!
Auf der Höhe des fliegenden Standes von Peters Sports blieb ich stehen, und rief nach Markus. Ich schilderte ihm das Problem mit den fehlenden Laufschuhen und warf ihm meine Autoschlüssel zu. Eigentlich dürfen keine Ausrüstungsstücke in die Wechselzone nachgereicht werden, aber Markus hat es zu meinem Glück trotzdem hinbekommen.

Dieser Schnappschuss zeigt mich auf der ersten Runde beim steilsten Anstieg der Radstrecke.
Wie ein Irrer radelte ich los um meinen beim Schwimmen aufgebrummten Rückstand aufzuholen, Radfahren ist ja schließlich meine persönliche Paradedisziplin. Nach wenigen hundert Metern kam dann der erste brachiale Anstieg, in dem ich gleich die ersten Mitbewerber "kassierte". Da nach dem Rad noch das Laufen kommt, versuchte ich meinen Eifer zu bremsen und möglichst eine hohe Trittfrequenz (100 Umdrehungen pro Minute) einzuhalten, zumindest wenn es nicht gerade bergauf ging. Die Beine müssen ja anschließend noch zum Laufen taugen. Windschattenfahren war beim Radfahren heute zulässig, was nicht bei jeder Veranstaltung der Fall ist. Doch, Pech für mich, eine Gruppe mit einem mir passendem Tempo war nicht innerhalb von 20 Kilometern aufzutreiben. Dazu war der Rückstand beim Schwimmen auf meinesgleichen doch zu erheblich.
Mit schweren Beinen kam ich dann das zweite Mal in die Wechselzone um mich für die letzten Laufkilometer zu rüsten. Dank Markus fand ich dann auch meine Laufschuhe dort vor und musste nicht barfuß wie die Kenianer weiterlaufen. Die ersten beiden Kilometer gingen leicht bergauf, und ich fühlte mich nicht sehr gut dabei. Ein Seitenstich machte mir zu schaffen. Ich bemühte mich bewusster zu atmen, und es wurde dann auch besser. Den einen oder anderen Läufer konnte ich sogar noch einholen, und nur zwei oder drei haben mich danach noch überholt. Die letzten beiden Kilometer waren ein "schnelles" Straßenstück bergab. Als ich - endlich - über die Ziellinie lief (in 1h29'37"), merkte ich wie schwer meine Beine waren. Irgendwie fand ich es dann doch schade dass es schon vorbei war. Mir war sofort bewusst dass dies nicht mein letzter Triathlon sein würde. Nächstes Jahr ist ohne Wenn und Aber die olympische Distanz auf meinem Rennprogramm zu finden. In der
kompletten Wertung des "Promo"-Triathlons werde ich als 105. von 148. Teilnehmer gewertet.

Yves R., Christian M. und Christian T. nach dem Rennen
Jetzt, wo ich endlich den persönlichen Vergleich zwischen Triathlon und Duathlon ziehen kann, würde ich sagen dass Duathlon heftiger ist. Auch wenn beim abschließenden Laufstück in Weiswampach nicht wirklich von "Leichtigkeit" die Rede sein konnte, so fühlte ich mich bei der Abschlussdisziplin bei meinen vorherigen Duathlon-Teilnahmen selten noch so gut wie hier in Weiswampach. Dass beim Duathlon zweimal gelaufen wird sorgt beim zweiten Lauf für bleischwere Beine. Bleibt im Jetzt nur die Frage offen, ob ich mir - angesichts meines dürftigen Lauftrainings der letzten Monate - dieses Jahr den ultralangen Musel-Duathlon am 4. September wirklich zutrauen kann. Als Langstreckenveranstaltung gilt es hier gleich 22 Laufkilometer zu absolvieren.

Über diese Brückenkonstruktion und dann die Rampe runter mussten die letzten Meter gelaufen werden.